Vitamine für Hunde – sollten Sie supplementieren?
Welche Vitamine für Ihren Hund wichtig sind und wann Sie supplementieren sollten
Mittlerweile gibt es viele verschiedene Vitaminpräparate für Hunde. Aber ist es sinnvoll, Ihrem Hund zusätzlich Vitamine zu verabreichen? Im Interview erklärt Tierarzt Dr. Andreas Seide, welche Vitamine für Hunde wirklich wichtig sind und warum Sie bei gesundem Alleinfuttermittel keine Vitamine supplementieren müssen.

Unser Interviewpartner
Tierarzt Dr. Andreas Seide arbeitet seit 1998 in Bremen mit seinem Team für das Wohl seiner Patienten.
Herr Dr. Seide, welche Vitamine sind für Hunde wichtig?
An sich brauchen Hunde die gleichen Vitamine wie Menschen auch: Vitamine A, B, C, D, E und so weiter. Bei Hunden unterscheidet sich lediglich die Dosierung. Anstatt eines Tagesbedarfs berechnen wir die Vitaminmenge bei Hunden in Abhängigkeit von ihrem Körpergewicht (Milligramm Vitamin pro Kilogramm Körpergewicht). Kleine Hunde brauchen demnach weniger Milligramm Vitamine als große Hunde. Die Vitamine haben ähnliche Aufgaben wie beim Menschen:
- Für die Stärkung des Immunsystems braucht Ihr Hund Vitamin D und C. Vitamin D aktiviert bestimmte Zellen im Abwehrsystem (T-Zellen) und hält Ihren Hund – neben weiteren wichtigen Nährstoffen natürlich – fit und gesund.
- Für gesunde Gelenke braucht Ihr Hund vor allem die Nährstoffe aus seinem Futter. Die Vitamine A und D können sich aber durchaus positiv auf den Knochenstoffwechsel auswirken.
- Für eine optimale Verdauung ist Vitamin B wichtig. Vitamin B12 fördert die Nahrungsaufnahme im Darm und wirkt sich positiv auf die Bauchspeicheldrüse aus. Deswegen kann B12 auch bei Durchfallerkrankungen verabreicht werden – und helfen. Vitamin B9 – also Folsäure – ist gut, wenn es Hinweise auf bakterielle Überwucherung des Dünndarms gibt, und für die Zellteilung von Bedeutung.
- Für trächtige Hündinnen ist ebenfalls Vitamin B9 wichtig: Wie beim Menschen fördert auch beim Hund Folsäure eine optimale Gesundheit der Hündin und des Welpen, da sie die Zellteilung unterstützt.
Wird der Vitaminbedarf über handelsübliches Futter gedeckt?
Ja, handelsübliches Futtermittel muss per Gesetz alle Vitamine und Nährstoffe abdecken, die ein Hund für ein gesundes Leben braucht. Dafür haftet sogar der Hersteller: Gesundes Alleinfuttermittel reicht also als einziges Nahrungsmittel aus. Achten Sie dennoch auf die Zusammensetzung: Passt das Futter zu Ihrem Hund? Zu seiner Auslastung? Zu seinem Alter? Welpen und auch trächtige Hunde sind mit speziellem Welpenfutter besser beraten, während Senioren spezielles Seniorenfutter bekommen sollten.
Nein, das brauchen Sie nicht. Vor allem dann nicht, wenn Sie handelsübliches Futter oder Alleinfuttermittel füttern. Wenn Sie ohne Grund supplementieren, kann es zu einer Vitaminüberdosis kommen. Letztendlich hängt es von Ihrem Futter ab, ob Sie Vitamine brauchen – oder nicht. Wenn Sie selbst barfen oder das Futter Ihres Hundes anders selbst zusammenstellen, könnte eine Supplementierung Sinn ergeben. Dafür müssen Sie die Nährwerte des Futters kennen. Es gibt Labore, die das testen.
Wann ergibt eine Supplementierung von Vitaminen für Hunde Sinn?
Das Zufüttern von Vitaminen kann im Einzelfall Sinn ergeben, sollte aber in jedem Fall mit einem Tierarzt abgesprochen werden. Bei bestimmten Krankheiten zum Beispiel. Bei Durchfallerkrankungen eignen sich verschiedene B-Vitamine wie Vitamin B12. Manchmal wird B12 auch in der Neurologie bei Nervenerkrankungen verabreicht – es ist allerdings noch nicht sicher, ob die Supplementierung in diesem Fall wirklich etwas bringt. Leberpräparate fördern den Leberstoffwechsel und Vitamin K hilft bei einer Cumarin-Vergiftung (Rattengift). Sollte Ihr Hund etwa Rattengift gefressen haben, suchen Sie am besten umgehend einen Tierarzt auf und behandeln Sie ihn nicht selbst. Vitamin H (und Zink) helfen hingegen bei einzelnen Hauterkrankungen und können das Haar Ihres Hundes beeinflussen: So kann beispielsweise das Haaren vermindert werden.
Was ist der häufigste Vitaminmangel bei Hunden?
Den gibt es nicht. Hunde leiden bei einer artgerechten Fütterung nur selten an einem Vitaminmangel. Es hängt aber mit der Fütterung zusammen: Selbst zusammengesetztes Futter birgt eher Risiken für einen Mangel als handelsübliches Futter.
Und wie erkenne ich einen Vitaminmangel bei Hunden?
Einen Vitaminmangel erkennen Sie leider erst sehr spät. Erst dann, wenn er klinisch (also hoch fortgeschritten) ist, treten äußere Symptome wie stumpfes Fell oder Zahnprobleme auf. Es ergibt keinen Sinn, von den äußeren Symptomen direkt auf einen Vitaminmangel zu schließen. Es kann auch andere Ursachen oder Krankheiten geben, welche Sie daher am besten mit Ihrem Tierarzt absprechen sollten.
Wenn Sie das Futter Ihres Hundes selbst zusammenstellen, sollten Sie sein Blut ein- bis zweimal im Jahr untersuchen lassen und so einen Mangel ausschließen.
Wie erkenne ich eine Überdosierung von Vitaminen?
Eine Überdosierung ist ebenfalls eher selten und kann sich ganz unterschiedlich äußern. Wasserlösliche Vitamine können bei einer Überdosierung über die Nieren zum Beispiel einfach wieder ausgeschieden werden. Fettlösliche Vitamine werden hingegen gespeichert und können bei einer zu hohen Konzentration toxisch wirken. Vitamin A verursacht beispielsweise Leber- und Hautprobleme, während Vitamin D zu Appetitlosigkeit, Erbrechen, Schwächegefühl oder Durchfall führen kann.
Fazit
Ich rate Ihnen von einer blinden Supplementierung ab – gerade dann, wenn Sie Alleinfuttermittel füttern. Lassen Sie das Blut Ihres Hundes erst untersuchen, bevor Sie handeln, und halten Sie Rücksprache mit Ihrem Tierarzt. Ausgewogenes Hundefutter versorgt Ihren Hund mit allen wichtigen Nährstoffen und Vitaminen, die er für ein gesundes und aktives Hundeleben braucht.